„Lass Dich nicht unterkriegen,
sei frech und wild und wunderbar.“
(Pippi Langstrumpf)

Innerhalb meines Studierens, Lehrens und Forschens beschäftige ich mich aus pädagogischer und bildungsphilosophischer Perspektive mit der Frage, was das Selbst ist oder sein könnte. Diese Auseinandersetzung wird durch die Praxis und Philosophie des Yoga um eine ganzheitliche Sichtweise ergänzt, die das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele betont und mir ein neues Verständnis vom Selbst-Sein eröffnet. Gegenwärtig gibt es immer mehr scheinbar unvermeidliche Anforderungen, die persönlich oft als Zumutungen für das eigene Selbst wahrgenommen werden. Aber gerade weil diese Anforderungen so selbstverständlich und normal erscheinen, ist es schwierig, sich das Empfinden von Druck und das Leiden unter der Angst, nicht dem zu entsprechen, was als "normal" angesehen wird, selbst einzugestehen. Insbesondere Phänomene wie Erschöpfung, Burnout, Depressionen und Essstörungen sind mittlerweile symptomatisch für diese Gesellschaft, die Menschen unter permanenten Leistungsdruck stellt. Yoga kann hier einen Weg eröffnen, sich genau dieser Gefühle bewusst zu werden und Mut zu finden, das eigene Selbst zu hinterfragen, neu zu entdecken und das Selbstsein jenseits des allgegenwärtigen Optimierungsdrucks neu zu entdecken. Durch Yoga unterbrechen wir den Anspruch, stets funktionieren zu müssen, und können erkennen, dass vermeintlich Unveränderbares durchaus verändert werden kann – und zwar durch das eigene kritische und bewusste Handeln. Yoga bietet uns so die Möglichkeit, eine Handlungsfähigkeit zu finden oder zurückzugewinnen, um unser Sein und unser Leben in der Gesellschaft immer wieder hinterfragen und selbstbestimmt gestalten zu können. Und der beste Moment, damit zu beginnen, ist genau in diesem Moment: „Jetzt beginnt Yoga.“ (Patanjali, Yogasutra 1.1)